Die Menschen in Sachsen bewaffnen sich weiter – Waffenbehörden besser ausstatten!

Foto: ZhengZhou / CC BY-SA 3.0

Der Trend zur Bewaffnung in Sachsen ist ungebrochen. Das betrifft den legalen Schusswaffenbesitz als auch die registrierten Schusswaffen sowie die waffenrechtlichen Erlaubnisse und kleinen Waffenscheine. Das sind die Ergebnisse Kleiner Anfragen des Innenpolitischen Sprechers der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Enrico Stange. Er erklärt:

„Waren 2017 in Sachsen noch 150.570 Schusswaffen registriert, so mussten zum 30. Juni 2018 165.804 Schusswaffen gezählt werden***. Dabei fallen vor allem Repetier- und halbautomatische Waffen sowie andere Schusswaffen ins Gewicht. Es überwiegen in privatem Besitz die gefährlicheren Schusswaffen, deren Zahl wächst.

Dem stehen geringe Zahlen bei der freiwilligen Abgabe gegenüber. 2017 wurden 128 Schusswaffen abgegeben, im 1. Halbjahr 2018 immerhin 211. 2017 wurden 1.954 Stück Munition abgegeben, im 1. Halbjahr 2018 waren es 15.280. Bei der Abgabe illegaler Schusswaffen und Munition sind die Zahlen freilich niedriger. Im 1. Halbjahr 2018 wurden 49 illegale Schusswaffen und 1.774 Stück Munition freiwillig abgegeben, allerdings aufgrund einer Amnestie.

Wurden 2017 noch 28.066 Schusswaffenbesitzer registriert, waren es zum 30. Juni 2018 bereits 29.345. Die Zahl der waffenrechtlichen Erlaubnisse lag 2017 bei 43.759 und zum 30. Juni 2018 bereits bei 46.674. Die Zahl der Kleinen Waffenscheine stieg zwischen 2017 und dem 30. Juni 2018 um mehr als elf Prozent von 16.365 auf 18.195.

Der gesellschaftlichen Aufrüstung stehen die Waffenbehörden mit knapp 33 Stellen in ganz Sachsen gegenüber. Insgesamt wurden 2017 1.299 Kontrollen der Aufbewahrung vorgenommen, im 1. Halbjahr 2018 nur 390 (2016: 824). Die waffenrechtliche Zuverlässigkeit wurde 2017 15.883mal kontrolliert (2016: 16.689), im ersten Halbjahr 2018 8.742mal. 2017 wurden 96 waffenrechtliche Erlaubnisse widerrufen, im 1. Halbjahr 2018 waren es 46 Rücknahmen.

Die Menschen legen sich nicht nur immer mehr Schusswaffen zu. Auch die steigende Zahl Kleiner Waffenscheine, mit denen Reizstoffsprühgeräte und Schreckschusswaffen geführt werden dürfen, deutet darauf hin. Besorgniserregend ist die Zunahme gefährlicher Waffen (EU-Kategorie B und C). Hier scheinen sich irrationale Ängste und Verrohung in der Gesellschaft niederzuschlagen. Die Waffenbehörden sind trotz geringfügiger Personalzuwächse unterbesetzt und können keine effektiven Kontrollen durchführen – das muss sich ändern! Zudem muss gesellschaftlich darüber nachgedacht werden, inwieweit das Waffenrecht noch zeitgemäß ist. Wir brauchen eine gut ausgebildete und gut ausgestattete Polizei statt mehr Waffen!

Hintergrund: Material zum Waffenbesitz in Sachsen

*** Hinweis zur Differenz zwischen registrierten Schusswaffen und der Summe der Waffen in den EU-Kategorien A bis D: „Die Waffenstatistik, die das Bundesverwaltungsamt den Ländern monatlich zur Verfügung stellt, weist eine Differenzierung nach EU-Kategorien nur für Waffen und Waffenteile aus, die sich aktuell in privatem Besitz befinden. Für die Gesamtzahl aller registrierten Schusswaffen, also auch derjenigen Waffen, die zwischenzeitlich beispielsweise an Händler überlassen, ausgeführt oder vernichtet wurden, wird eine solche Differenzierung nicht vorgenommen.“ (Drucksache 6/13921)