Enrico Stange: Teilnahme an der Informationsveranstaltung des Seehaus e. V. und Unterstützung des Projekts

Enrico Stange, Innenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag und Landratskandidat der LINKEN, wird morgen an der Informationsveranstaltung desSeehaus e. V. in Neukieritzsch teilnehmen. Er unterstützt die Ansiedlung des Projektes im Landkreis am Hainer See und möchte dafür werben.

Enrico Stange erklärt dazu: „Gemeinhin wird die Verrohung in der Gesellschaft, der Verlust der Werte und die ungenügende Ausstattung unserer Jugend mit den nötigen Grundtugenden als erforderliche Voraussetzungen für ein konstruktives, gewaltfreies und gemeinsinnorientiertes gesellschaftliches Zusammenleben beklagt. Zu Recht. Dies ist aber das Ergebnis eines Erziehungsprozesses, der zu oft an mehreren Stellen schief gelaufen ist. Und unsere Gesellschaft setzt Jugendliche bereitwillig oder teils ohnmächtig allen Einflüssen aus, die Zugang zu ihnen finden. Alkohol - gesellschaftlich akzeptiert, Drogen - ohne nötige staatliche Eingriffe leicht erreichbar. Nur mit den Folgen scheinen wir gar nicht umgehen zu können. Kitabetreuung als ein erster Bildungs- und Erziehungsbaustein, Schulsozialarbeit als wichtige Begleitung während der Schulzeit, freie Bildungs- und Erziehungsarbeit, alles wird nach Kassenlage runter- und wieder hochgefahren. Allerdings werden diese Rahmenbedingungen nie wirklich ausreichend finanziert.

Die Gefangenen in der Jugendstrafvollzugseinrichtung Regis-Breitingen sind sicherlich keine Jugendlichen, die mal "über die Stränge geschlagen haben". Sie haben Straftaten begangen, die mit Haftstrafen geahndet wurden. Und sie sind - ob es uns gefällt oder nicht, Produkt unseres familiären, gesellschaftlichen und staatlichen Versagens.

Wir sollten alle möglichen Wege gehen, um einem Teil von ihnen im Rahmen eines strengen Programms der gegenseitigen Erziehung und der Vermittlung sittlicher und gesellschaftlicher Werte eine reale Chance auf die Rückkehr in ein geordnetes Leben in der Gesellschaft zu eröffnen. Die Praxis in Leonberg und in unserem Landkreis zeigt, dass die Rückfallquote, von aus dem Vollzug in offenen Formen Entlassenen, deutlich geringer ausfällt, als dies über den regulären Jugendstrafvollzug zu sagen wäre.

Wenn wir Ihnen aus mehr oder weniger recht eigennützigen Gründen wiederum diese dauerhafte Chance nehmen, werden wir als Gesellschaft im Landkreis und als Anrainer der vorgesehenen Liegenschaft ein weiteres Mosaiksteinchen dem Gesamtbild gesellschaftlichen Versagens hinzugefügt haben.“